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Roof of Britain 2015

der Blog der Umrundung des schottischen Hochlandes im Sea Kayak  

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The Roof of Britain Coastal Spirit Rapid Development Expedition 2015

Arosa 20.12.2013

Es schneit wie wild. Gerade vom Skifahren zurück denke ich nun nicht gerade an grosse Paddeltouren..

Doch da erreicht mich Sarah's sms "hx ..." .. "the roof of Britain" meint sie - die Umrundung des schottischen Hochlandes im sea kayak, 28Tage und rund 800km paddeln mit Sack und Pack - phuu toll denke ich, eine super Tour für Sarah mit ihrer Erfahrung - aber wohl eine Nummer zu gross für mich.. trotzdem, ein leises "würd ich auch mal gern" regt sich.

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2014

Februar 2014, der Zeltplatz des Kanuclub Luzern bietet uns einen schönes Plätzchen für die Boote und unser Zelt in diesen feuchtkalten Nacht. Wir sitzen am Feuer als Sarah fragt: Häschs der ezze mal überleit wegm Roof? - Ähmm? Meinsch denn das chännti??

Einige Zeit und viele Zweifel später sende ich die Anfrage an Roger der die Tour im Sinne einer "Rapid Development Expedition" als Coach anbietet. Er kennt er mich von verschiedenen Kursen in Wales mittlerweile gut und kann wohl beurteilen, ob ich die Voraussetzungen für die Tour erfülle oder bis April 2015 erfüllen kann.

Die Antwort folgt promt:

"I would be pleased to have you on the team. I love your plan for the preparation. If you could make the BCU 4 star leader training in March that would be perfect because it would give you a good focus and action plan to work with between now and the circumnavigation
of Anglesey in August 2014."

 

Hurra!! Freude und gleichzeitig phuu.. aber ja, noch ist ein Jahr Zeit.

Es folgt ein intensives Paddeljahr. Viele schöne Tage Distanz paddeln, tolle Gepäcktouren auf dem Walensee und Vierwaldstättersee, eine kalte windige Dezemberwoche in Sardinien, einige Roll-Sessions im See und auch im Hallenbad, eine Vorbereitungswoche in Wales mit
den andern die auf der Tour dabei sein werden, sowie viele Abende Karten vorbereiten, Gezeiteninformationen zusammensuchen und Material testen, Gas und Essen sowie Einkaufsmöglichkeiten planen. 

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17. April 2015

Die Zeit geht schnell vorbei und am 17. April stehen wir schliesslich an den Corran Narrows wo wir die andern beiden - Roger und Tavi aus Wales - treffen werden.

 

Wir sind in Schottland - Morgen geht's los!

Aufgrund des eher windigen Wetterberichts planen wir mit einem Start in Helmsdale an der Ostküste. Dies bedeutet, 2-3 Tage auf dem Meer bevor es in den Caledonian Canal geht, wo alles etwas zivilisiert ist und darum trotz WInd einfach sein sollte. 

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18. April - 23. April 2015 (Tag 1 - 6)

Die Tour beginnt anders als erwartet...

Am morgen checken Sarah, Tavi und ich den Wetterbericht und dieser zeigt nun ein gutes Wetterfenster für die Westküste. Der Entscheid fällt darum nun auf die Westküste - wir Starten in Kyleakin auf Skye!

Wir haben wunderbare erste Tage mit Sonnenschein und guten Bedingungen. Sehen Otter, Puffins und viele andere Meersvögel. Die Küste ist toll, eindrückliche Sea Stacks, wie dem old man of Stoer und Inseln, welche uns immer wieder eine Übernachtungsmöglichkeit geben. Die Tage auf dem Wasser werden länger und länger. Mit 45km ist der vierte Tag der längste (so far..).

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Der Empfang ist schlecht und wir brauchen einen neuen Wetterbericht denn bald steht eine Schlüsselstelle an: Capre Wrath die exponierte nord-west Ecke mit einer Gezeitenströmung von rund 6 Knoten.

Das Hotel in Scourie ermöglicht uns die Händis zu laden und den benötigten Wetterbericht zu erhalten. Dieser ist leider etwas durchzogen.

 

Übermorgen, am 24.4 gibts ein einigermassen passables Wetterfenster mit 3-4 Bft. für gerade mal einen Tag bevor ein Schneesturm angesagt ist. Am 24.4 ist Slack in Cape Wrath aber um 7Uhr und das letzte mögliche Camp ist 20km entfernt.. besteht für einen Start um 4Uhr überhaupt genug Helligkeit? Und wir haben noch ein anderes Problem: Vor Cape Wrath ist eine Militärübung in Gange - heisst ein Passieren ist unmöglich.

 

Doch siehe da, die Übung endet am 24.4 um 0.00! 2h bevor wir aufstehen müssen, 4h bevor wir lospaddeln werden und Rogers Kontrolle um 4Uhr am 23.4 zeigt, na ja es ist dunkel aber es sollte gehen.
Hurra unser Plan für Cape Wrath könnte aufgehen!

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24. April 2015 Tag 7, Cape Wrath

 

Wir starten um 6.30Uhr nachdem ich um 4Uhr noch nicht ganz so daran geglaubt habe, weil der Wigwam nach wie vor vom Wind geschüttelt wurde. Aber jetzt siehts ok aus.

 

Vor der Insel Wiay kommen dann die ersten reflektierten Wellen, es regnet leicht und der Tag ist grau. Ich stelle mich auf anstrengende 3 Stunden bis Neist Point ein. Da entdecken wir ein paar Puffins! So eine Freude immer wieder. Sie lassen uns beide grinsen.

 

Wir sind genau im geplanten Zeitraster als wir nach rund 10 km Idrigill Point erreichen und geben uns gegenseitig ein Daumen hoch. Obwohl die Dühnung ordentlich ist, scheint der Wind wie angesagt nachzulassen. Wir paddeln weiter - vorbei an den eindrücklichen Steintürmen "Macleod's Maidens"

Die reflektierten Wellen sind dann deutlich weniger als erwartet und wir erreichen Neist Point eine gute halbe Stunde früher als geplant. Hier befindet sich ein schönes Lighthouse und die Sonne drückt.

 

Viele Vögel fliegen herum und schwimmen auf dem Wasser – eine super Stimmung! Die Wellen sind inzwischen zwar recht gross aber sanft geworden - dies ist Sea Kayak paddeln vom Schönsten!

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Bei Loch Pooltiel entscheiden wir gleich weiterzuziehen und die letzte Stunde Strömung zu nutzen, um Dunvegan Head zu erreichen.

Weiterhin sehen wir viele Vögel Guillemots, Razorbills, Gannets, Puffins und natürlich Kormorane und Möven. Beim einem Strömungswechsel spielen Porpoises!

 

Am Nachmittag erreichen wir Ardmore Bay - gemäss Luftbild ein grosser Sandstrand - und wir hofften hier zu übernachten, doch Ardmore Bay ähnelt einem Kuhstall, in der Anwesenheit der Tiere wie auch geruchlich, so dass wir weiterziehen. Nun wird es ein richtig langer Tag... Die Kehrwasserströmung hilft uns bald Waternish Point zu erreichen. Das Meer ist ruhig geworden, die Sonne scheint und umso mehr Vögel sehen wir. Hier hören wir auch die Puffins mit ihrem kurligen, knurrigen „Gesang“. Nach gut 67km erreichen wir die Ascrib Islands. Eine wunderbare Abendstimmung wartet hier auf uns. Der lange Tag hat uns in eine gute Position gebracht. Morgen sollten wir Rhuba Hunish umrunden können bevor es dann im Norden wieder zu windig wird.

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Weiter geht’s am nächsten Tag Richtung Rhuba Hunish – ein toller Mitwind aus SSW unterstützt uns. Rhuba Hunish ist allerdings die Wende von „nach Nord-Osten paddeln“ zu „nach Süd-Westen paddeln“.... am Nachmittag unterstützt uns dann der SSW Wind nicht mehr. Im Gegenteil, wir „bügeln“ über 10km Gegenwind und Gegenströmung entlang einer wunderschönen Küste mit vielen Felsformationen...

 

Leider ist dann unser erhofftes Tagesziel – der Strand von Staffin – erstens von sehr vielen Leuten bevölkert (offenbar verbringt man hier den sonnigen freien Nachmittag) und zweitens reihen sich die Wohnmobile nur so auf entlang der Strasse... Das ginge ja alles gerade noch, aber eine einigermassen flache Stelle für unser Zelt ist nicht in Sicht. Wir paddeln weiter, auch wenn es sein könnte, dass es nun nochmals 20km Gegenwind werden.

 

Doch der Wind lässt nach und wir finden – begleitet von einer Gruppe Robben - ein schönes Plätzchen.

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Am Morgen erscheint der Bauer mit seinem Quad um zu seien Schafen zu schauen. Wir machen uns schon auf einen Zusammenschiss bereit.. doch er winkt und ruft fröhlich „good morni’n!“ – so ein guter Start in den Tag!

Entlang der imposanten Steilküste, teilweise mit Sicht auf den „Old Man of Storr“, geht’s weiter Richtung Süden. Wir sehen Adler und wieder viele andere Vögel. Schliesslich erreichen wir unser heutiges Ziel, einen wunderbaren Fleck mit Strand und Bach. Da gibt’s auch gleich ein kleines Entsalzungsbad im Süsswasser :-).

 

Nun sind die vermutlich kritischsten Teile der Tour vorbei. Ab hier sollten wir eigentlich auch mit etwas mehr Wind zurecht kommen, weil auf der Ostseite von Skye die Gewässer etwas geschützter sind. Wir planen die folgenden Tage und paddeln nach Portree um einzukaufen, Wasser aufzufüllen und einen Kaffee zu trinken (der Ice Cream Stand hatte gerade eine Aktion. Die Schlange davor war so lang, dass wir das dann gelassen haben).

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Das Wetter ist wunderbar, die Sonne scheint und es ist in diesem Teil der Insel nur wenig Wind angesagt.

 

Wir geniessen die Tage auf dem Wasser und an Land. Bei Scalpay spielen die Otter im Wasser, in Kyleakin treffen wir endlich auf andere Paddler und dann sind auch gleich Doug Cooper und Douglas Wilcox dabei.

 

Bei Kyle Rhea schauen wir den „Man over Board“ Übungs-Manövern der Fähre zu und beschliessen dann beim Kaffee an der Anlegestelle einen Kaffee und Kuchen zu holen.

Dass die Fähre nicht gerade an ihre Rampe fährt, sondern neben diese, wo ich mit unseren Kayaks warte, hat mir fast einen Herzinfarkt verursacht. Auch wenn ein Einheimischer meinte „Yes, you will be safe there“...war ich mir darüber nicht mehr so sicher, als die Fähre direkt auf mich zu gekommen ist...

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Nach einer dynamischen, windigen Querung erreichen wir schliesslich Knoydart. Ein toller Ort – grosse grüne Flächen, Schafe und riesige Steinstrände. Auch hier werden wir wieder von einem Bauern fröhlich begrüsst und mit Interesse gefragt, was wir denn tun, woher wir kommen und wohin wir gehen. Hier bleiben wir und geniessen noch einen Tag an Land, schauen aufs Meer, beobachten die Vögel, entdecken einen Minke Whale als er vorbeischwimmt und machen einen Beach-Clean bevor wir am Tag 16 unserer Tour zurück nach Malliag paddeln.

Eine tolle Tour geht vorbei – Freude und etwas Wehmut vermischen sich.

Wir werden wieder kommen.

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