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Skye 2022

ein kleiner Bericht zu unserer privaten Sea Kayak Reise um Skye 

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2020 geplant, 2021 nochmals.. dann 2022 endlich wir sind in Schottland endlich paddeln wir an der Küste von Skye! 

Schon 2020 haben wir diese Reise geplant und gehofft, im Sea Kayak die Insel Skye zu umrunden. Es ging dann nicht - ihr wisst warum.

2021.. gings gleich nochmals nicht aus gleichem Grund.

Nun sind wir endlich da.

Aufgrund der Wetterprognosen – v.a. des Windes – entscheiden wir, von Mallaig aus zu starten und so bei eher ruhigen Windbedingungen die exponiertere Süd-West Küste von Skye zu schaffen. Das Wetter ist etwas veränderlich – schottisch halt - mit etwas Regen und auch Sonne aber relativ wenig Wind. Wir beschliessen die Insel Rum in unsere Tour einzubeziehen, in der Hoffnung dort Seeadler zu sehen. Ist das ein Risiko?

Wir konnten uns recht gut vorbereiten diesen Winter und waren fit. Doch in den drei Wochen vor unserer Abreise hat uns dann leider Corona auch noch erwischt und wir wissen nicht recht wo wir stehen.. Können wir also gleich zu Beginn 3 Tage aneinander über 30km paddeln? Die Umrundung von Skye ist zwar das Ziel, aber wir haben genügend Zeit und unter dem Strich wollen wir vor allem eine super Tour haben, da ist Rum halt noch das Tüpfelchen auf dem i.. ;-)

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Die ersten drei Tage beinhalten eine dynamische Mitwind-Querung von Mallaig über den Sound of Sleat, die Querung nach Rum mit einer Begegnung der besonderen Art - irgend so ein Röhrending taucht vor uns auf und verschwindet sofort wieder!.. war das ein U-Boot?? – den tollen Steilküsten von Rum und gleich mehrere Sichtungen des erhofften Seeadlers!

 

Bei der Querung zurück fehlt jede Sicht auf Skye.. und ich versenke vor dem Start einen Handkompass – super :-(. Auf der Querung treffen wir auf erste Puffins. Diese bringen Farbe und Fröhlichkeit in den grauen Tag. Irgendwann taucht das Land auf, aber die Konturen sind schwierig mit der Karte abzugleichen.. welcher dieser braungrauen Dinger ist denn nun Soay?

Doch Sarahs Peilung ist eine Punktlandung, wir sind wo wir hin wollten – am Südende von Loch Brittle. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltet sich dann aber etwas schwierig und wir landen in alten Kanälen, wo uns so etwas wie ein alter Schlipf erlaubt, die schweren Boote nicht allzu weit schleppen zu müssen. Der Abend ist feucht-kalt und weiterhin grau.

Doch plötzlich wuselt es am Kanal und es tauchen 2 Seeotter auf!

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Vier Uhr früh – ich mach mir Sorgen und kann nicht schlafen. Hochwasser ist um 5Uhr.. bei Hochwasser anlanden ging gut, doch bei Niedrigwasser sah die Sache in der Nacht sehr schwierig aus. Vor dem Kanal ist noch ein Riff.. über welches ich glaube die Wellen schlagen zu hören.. Ich denke, wir müssen los bevor das Wasser sinkt, um noch raus zu kommen. Ich wecke Sarah und wir paddeln um 6.30Uhr los in einen weiteren grau - feuchten Tag. Wegen dem Frühstart gehts nun gegen die Strömung – welche hier aber nur gering ist. Gegen Mittag erreichen wir Loch Bracadale, wo wir wieder übernachten wollen, um dann hoffentlich am kommenden Tag Neist Point zu umrunden. Mit 3 Knoten Strömung und der exponiertesten Lage der Westküste ist Neist Point wohl der „crux point“ unserer Umrundung.

Es regnet immer noch – ich fühl mich müde von drei langen Tagen und dem eher kalt-feuchtem Wetter..

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Wir landen an einem schönen Plätzchen, welches wir von einer anderen Reise schon kennen: Harlosh Island mit seinem schönen Sandstrand. Und siehe da, Sarahs Wetterprophezeiung „am 12i chunt d Sunne“ hat zwar etwas Verspätung, aber sie kommt! Wir konstruieren ein Gestell für eine Wäscheleine und das Zelt trocknet auch bald im Wind. Doch die Freude währt nicht lang: Hunderte (ohne Übertreibung) Mini-Zecken krabbeln schon am Zelt hoch.. :-( Wir platzieren das Zelt um und sitzen fortan auf unserem Steinhaufen, wo die Viecher zum Glück nicht hin kommen wollen und planen den nächsten Tag. Die Prognose ist grenzwärtig. Viel Dühnung und mit 4-5 Bft auch etwas viel Wind für Neist Point. Ausserdem bedingt die Gezeitenströmung einen Frühstart – so richtig früh: vor 5 Uhr im Dunkeln. Die Kombination ist uns zu viel – wir hoffen die Windprognose nimmt noch etwas ab. Doch auch die späteren Prognosen werden nicht besser und sehen für die folgenden Ostertage sehr viel Wind und auch viel Regen voraus. Wir entscheiden: wir gehen nicht.

Mein müder Körper sagt mir am kommenden Morgen, dass die Entscheidung richtig ist, aber mein Kopf ist etwas enttäuscht. Wir werden sicher mindestens drei Tage festsitzen... Wird das noch reichen für die Umrundung..?

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Zum Glück kennen wir in der Nähe das Crofters Bunkhouse in Portnalong und Dave hat Platz für uns (wir sind alleine auf der ganzen Anlage), so dass wir für ein paar Tage ein Holz-Wigwam buchen können.

 

So verbringen wir die Ostertage in unserem warmen Hüttchen während der Wind seine 7-8 Bft pustet. Unser Programm: Schlafen, einkaufen im 5km entfernten Carbost Community Shop und ein feines Zmittag im Old Inn gleich neben der Talisker Whiskey Distillerie. Es zeigt sich, wir müssen unseren Aufenthalt im Wigwam um einen Tag verlängern weil der Wind nach wie vor nicht nach lässt..

Doch dann hats ein kleines Wetterfenster in der Prognose: 1 Tag, 3-4Bft SW, 1 -1.3m Dühnung und Springs... Nicht optimal - die ordentliche Dühnung aus SW könnte dazu führen, dass wir entlang der ganzen Strecke reflektierte Wellen haben, mit Springs haben wir mit den stärksten Strömungen zu rechnen.. und es wird mit mindestens 50km einen langen Tag geben. Aber wir sind gut erholt und auf „go“... und müssen diesmal auch nicht ganz so früh los.

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Wir starten um 6.30Uhr nachdem ich um 4Uhr noch nicht ganz so daran geglaubt habe, weil der Wigwam nach wie vor vom Wind geschüttelt wurde. Aber jetzt siehts ok aus.

 

Vor der Insel Wiay kommen dann die ersten reflektierten Wellen, es regnet leicht und der Tag ist grau. Ich stelle mich auf anstrengende 3 Stunden bis Neist Point ein. Da entdecken wir ein paar Puffins! So eine Freude immer wieder. Sie lassen uns beide grinsen.

 

Wir sind genau im geplanten Zeitraster als wir nach rund 10 km Idrigill Point erreichen und geben uns gegenseitig ein Daumen hoch. Obwohl die Dühnung ordentlich ist, scheint der Wind wie angesagt nachzulassen. Wir paddeln weiter - vorbei an den eindrücklichen Steintürmen "Macleod's Maidens"

Die reflektierten Wellen sind dann deutlich weniger als erwartet und wir erreichen Neist Point eine gute halbe Stunde früher als geplant. Hier befindet sich ein schönes Lighthouse und die Sonne drückt.

 

Viele Vögel fliegen herum und schwimmen auf dem Wasser – eine super Stimmung! Die Wellen sind inzwischen zwar recht gross aber sanft geworden - dies ist Sea Kayak paddeln vom Schönsten!

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Bei Loch Pooltiel entscheiden wir gleich weiterzuziehen und die letzte Stunde Strömung zu nutzen, um Dunvegan Head zu erreichen.

Weiterhin sehen wir viele Vögel Guillemots, Razorbills, Gannets, Puffins und natürlich Kormorane und Möven. Beim einem Strömungswechsel spielen Porpoises!

 

Am Nachmittag erreichen wir Ardmore Bay - gemäss Luftbild ein grosser Sandstrand - und wir hofften hier zu übernachten, doch Ardmore Bay ähnelt einem Kuhstall, in der Anwesenheit der Tiere wie auch geruchlich, so dass wir weiterziehen. Nun wird es ein richtig langer Tag... Die Kehrwasserströmung hilft uns bald Waternish Point zu erreichen. Das Meer ist ruhig geworden, die Sonne scheint und umso mehr Vögel sehen wir. Hier hören wir auch die Puffins mit ihrem kurligen, knurrigen „Gesang“. Nach gut 67km erreichen wir die Ascrib Islands. Eine wunderbare Abendstimmung wartet hier auf uns. Der lange Tag hat uns in eine gute Position gebracht. Morgen sollten wir Rhuba Hunish umrunden können bevor es dann im Norden wieder zu windig wird.

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Weiter geht’s am nächsten Tag Richtung Rhuba Hunish – ein toller Mitwind aus SSW unterstützt uns. Rhuba Hunish ist allerdings die Wende von „nach Nord-Osten paddeln“ zu „nach Süd-Westen paddeln“.... am Nachmittag unterstützt uns dann der SSW Wind nicht mehr. Im Gegenteil, wir „bügeln“ über 10km Gegenwind und Gegenströmung entlang einer wunderschönen Küste mit vielen Felsformationen...

 

Leider ist dann unser erhofftes Tagesziel – der Strand von Staffin – erstens von sehr vielen Leuten bevölkert (offenbar verbringt man hier den sonnigen freien Nachmittag) und zweitens reihen sich die Wohnmobile nur so auf entlang der Strasse... Das ginge ja alles gerade noch, aber eine einigermassen flache Stelle für unser Zelt ist nicht in Sicht. Wir paddeln weiter, auch wenn es sein könnte, dass es nun nochmals 20km Gegenwind werden.

 

Doch der Wind lässt nach und wir finden – begleitet von einer Gruppe Robben - ein schönes Plätzchen.

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Am Morgen erscheint der Bauer mit seinem Quad um zu seien Schafen zu schauen. Wir machen uns schon auf einen Zusammenschiss bereit.. doch er winkt und ruft fröhlich „good morni’n!“ – so ein guter Start in den Tag!

Entlang der imposanten Steilküste, teilweise mit Sicht auf den „Old Man of Storr“, geht’s weiter Richtung Süden. Wir sehen Adler und wieder viele andere Vögel. Schliesslich erreichen wir unser heutiges Ziel, einen wunderbaren Fleck mit Strand und Bach. Da gibt’s auch gleich ein kleines Entsalzungsbad im Süsswasser :-).

 

Nun sind die vermutlich kritischsten Teile der Tour vorbei. Ab hier sollten wir eigentlich auch mit etwas mehr Wind zurecht kommen, weil auf der Ostseite von Skye die Gewässer etwas geschützter sind. Wir planen die folgenden Tage und paddeln nach Portree um einzukaufen, Wasser aufzufüllen und einen Kaffee zu trinken (der Ice Cream Stand hatte gerade eine Aktion. Die Schlange davor war so lang, dass wir das dann gelassen haben).

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Das Wetter ist wunderbar, die Sonne scheint und es ist in diesem Teil der Insel nur wenig Wind angesagt.

 

Wir geniessen die Tage auf dem Wasser und an Land. Bei Scalpay spielen die Otter im Wasser, in Kyleakin treffen wir endlich auf andere Paddler und dann sind auch gleich Doug Cooper und Douglas Wilcox dabei.

 

Bei Kyle Rhea schauen wir den „Man over Board“ Übungs-Manövern der Fähre zu und beschliessen dann beim Kaffee an der Anlegestelle einen Kaffee und Kuchen zu holen.

Dass die Fähre nicht gerade an ihre Rampe fährt, sondern neben diese, wo ich mit unseren Kayaks warte, hat mir fast einen Herzinfarkt verursacht. Auch wenn ein Einheimischer meinte „Yes, you will be safe there“...war ich mir darüber nicht mehr so sicher, als die Fähre direkt auf mich zu gekommen ist...

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Nach einer dynamischen, windigen Querung erreichen wir schliesslich Knoydart. Ein toller Ort – grosse grüne Flächen, Schafe und riesige Steinstrände. Auch hier werden wir wieder von einem Bauern fröhlich begrüsst und mit Interesse gefragt, was wir denn tun, woher wir kommen und wohin wir gehen. Hier bleiben wir und geniessen noch einen Tag an Land, schauen aufs Meer, beobachten die Vögel, entdecken einen Minke Whale als er vorbeischwimmt und machen einen Beach-Clean bevor wir am Tag 16 unserer Tour zurück nach Malliag paddeln.

Eine tolle Tour geht vorbei – Freude und etwas Wehmut vermischen sich.

Wir werden wieder kommen.